HEIMAT – Internationale Wochen gegen Rassismus in Stuttgart

Vom 11.  bis zum 24. März 2019 finden in Stuttgart die Internationalen Wochen gegen Rassismus unter dem Motto „Heimat“ statt.

Heimat ist für unsere Klient*innen und damit auch für die Caritas ein zentrales Thema. Deshalb befragten FSJler und Praktikannt*innen aus dem Querschnittsbereich Migration und Integration Bewohner*innen aus den Gemeinschaftsunterkünften und Kolleg*innen, was Heimat für sie bedeutet.

Heimat kann ein Ort sein, eine Person, ein Ding, ein Geruch, ein bestimmtes Gefühl und vieles mehr. Heimat ist sehr persönlich und individuell, bedeutet für jeden etwas anderes und lässt sich nicht genau festlegen. Trotzdem haben wir versucht, hier einen Eindruck von Heimat und ihrer Bedeutung einzufangen.


„In Deutschland habe ich eine neue Chance bekommen“

Was brauchst du, um dich „heimisch“ zu fühlen?

„Ich brauche mehr Platz“ – das ist das erste was Nasima sagt. Sie lebt in einer Flüchtlingsunterkunft mit ihrer älteren Schwester und ihrer Mutter in einem 14 qm großen Zimmer und der Platz ist sehr beengt. Viele Dinge, die sie benötigt um sich zu Hause zu fühlen sind hier nicht möglich.

Im Irak, wo sie herkommt, hatte ihre Familie viele Tiere. Und um sich heimisch zu fühlen, hätte Nasima neben mehr Platz auch gerne einen Hasen. Doch in der Unterkunft sind Tiere nicht erlaubt. Deshalb sucht sie sich andere Wege, um Kontakt zu Tieren zu haben, zum Beispiel durch ein Praktikum in der Wilhelma.

„Mehr Ruhe, mehr Bücher!“ Diese Dinge sind ihr ebenfalls sehr wichtig, um sich heimisch zu fühlen. Nasima hat auch hier einen Weg gefunden beides zu bekommen. Ihr Lieblingsort? „Die Stadtbibliothek!“

Auch die Familie ist ein Stück Heimat. Ihre Schwester und ihre Mutter geben Nasima Halt. Die Besuche bei ihren anderen Geschwistern und deren Familien vermitteln ihr ein Gefühl von Zuhause, Vertrautheit und Geborgenheit.

Eine Sache, die sie ganz besonders an ihre Heimat erinnert, ist das Armband, das ihre Mutter für sie gemacht hat. Wenn sie es anschaut, denkt sie an ihre Familie und den Irak.

 

Was macht deine Heimat zu deiner Heimat? Warum ist sie deine Heimat?

Nasimas Antwort darauf ist klar: Wenn sie die Sprache, die Umgebung und die Leute kennt, fühlt sie sich Zuhause. „Man kennt die Probleme“, sagt sie.

Ihre Heimat sieht sie ganz klar noch im Irak, doch auch Stuttgart ist zur Heimat geworden. „Zuerst war ich verloren“ meint sie dazu. In einem fremden Land mit fremder Kultur, in der sie Schrift und Sprache nicht verstand, war das Ankommen schwer. Hier wusste sie nicht, welche Dinge die Leute gut und schlecht finden und war sich sehr unsicher. Und was ihr auch ganz wichtig ist: „Schreib, hier ist kein Krieg. Im Irak ist Krieg.“

Und jetzt? Ist Deutschland nun ihr Zuhause? „Jetzt ja! Hier weiß ich meine Zukunft“, erklärt sie uns. „Ich kann hier so viel machen!“ Die Schule beenden und eine Ausbildung finden sind ihr sehr wichtig. Und Deutschland hat ihr die Chance dazu gegeben.

 

Was bedeutet Heimat für dich?

Insgesamt ist für Nasima Heimat ein Ort, an dem sie sich gut fühlt, alles und alle kennt. Auch Menschen, die sie kennt und mag sind Heimat. „Es ist gut hier“ findet sie. Und unter Gelächter erzählt sie uns, dass sie in der Stadtbibliothek und im Ausbildungscampus jeder kennt.

Nasima ist hier angekommen. Und sie hat uns auch einige neue Bedeutungen von Heimat gezeigt. Man merkt, dass sie sich hier gut fühlt, auch wenn sie den Irak sehr vermisst.

Das Wort „Heimat“ bedeutet viel, aber Kleinigkeiten wie ein Hase sind genug, um sich heimisch zu fühlen.

 

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