Rentner in Badewanne draußen

Der harte Kampf gegen die Wohnungsnot

Wohnungssuche in Stuttgart – viele Menschen verfolgt dieses Thema über Jahre hinweg und für manche bleibt es sogar eine unlösbare Aufgabe. Denn zwar lässt sich hier in Stuttgart gut
Arbeit finden. Doch wer vor Ort einen Job hat, möchte verständlicherweise auch hier leben. Wie soll das aber gehen beispielsweise für eine Altenpflegerin, wenn sie zwei Drittel ihres ohnehin nicht üppigen Gehalts in die Miete investieren müsste? Wie soll ein junges Paar – er Handwerker, sie
Frisörin – es schaffen, hier eine Familie zu gründen, wenn die hohen Mietkosten dafür sorgen, dass kaum mehr etwas bleibt zum Leben?

In Stuttgart fehlen rund 15.000 Wohnungen, so seriöse Schätzungen. „So schlimm wie es heute ist, war es noch nie“, sagt Manfred Blocher, Leiter des Bereiches Armut, Wohnungsnot und Schulden im Caritasverband für Stuttgart e.V.. Immer schwerer, eine Wohnung zu finden, haben es außerdem Menschen, die Unterstützung beziehen. Ein Beispiel liefert hier ein Klient aus unserer Suchthilfe. Beinahe drei Jahre lebte der Stuttgarter nach Beendigung seiner Entwöhnungstherapie im ambulant betreuten Wohnen. Eine Arbeit fand er recht schnell. Doch über ein Jahr lang war er auf Wohnungssuche – trotz Wohnberechtigungsschein. Hunderte Anfragen hatte er geschrieben und zahllose Wohnungen besichtigt, bis es endlich für ihn klappte. Eine harte Zeit. Denn täglich plagten ihn Ängste, in näherer Zukunft auf der Straße zu stehen und unter diesem Druck eventuell wieder rückfällig zu werden.  Der 54-Jährige hatte letztlich Glück. Doch das haben längst nicht alle der zahlreichen Menschen, deren soziale Probleme sie in die Armut und Wohnungslosigkeit getrieben haben. Dass es für sie so schwer ist, hier in der Stadt einen Platz zum Leben zu finden, setzt sie zusätzlich unter Druck, baut Ängste und Unsicherheiten auf und drängt sie noch mehr an den Rand unserer Gesellschaft.

Sozialwohnungen sind in Stuttgart nämlich mittlerweile Mangelware, der soziale Wohnungsbau ist nahezu zum Erliegen gekommen: „Die Politik hat hier geschlafen“, konstatiert Manfred Blocher. Gab es 1992 noch rund 22.000 Wohneinheiten im sozialen Wohnungsbau, waren es Ende 2016 nur noch 14.540. Allein 2012 gingen durch den Verkauf der LBBW 21.000 Einheiten verloren an ein am „Markt“ agierendes Unternehmen, welches die Wohnungen mit einem Gewinn von 500 Millionen Euro an ein nächstes Unternehmen weiterverkaufte.

Der Caritasverband stellt deshalb deutliche Forderungen an die Verantwortlichen. An den Bund gerichtet plädieren wir für eine Förderung des sozialen Wohnungsbaus über das Jahr 2019 hinaus. Ebenso muss das Land seine Mittel deutlich aufstocken. Sehr konkret ist auch die Liste an Forderungen, die wir an die Stadt Stuttgart stellen: Von der Verstärkung der Bautätigkeiten über eine Mietpreisbremse plädieren wir unter anderem, sozialen Bauträgern den Zugang zu neuen Baugebieten zu erleichtern. Nachgedacht werden muss auch über die Ausweisung neuer Baugebiete – freilich unter Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Kriterien.

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